Jannis Kounellis

Jannis Kounellis (1936-2017), geboren in Piräus, Griechenland, lebte und arbeitete in Rom, Italien. Zusammen mit Künstlern wie Joseph Beuys, Mario Merz, Robert Morris und Richard Serra gehört er zu einer zweiten Welle von Modernisten, die in den 60er Jahren unsere Vorstellung der bildenden Kunst durch eine neue Ikonografie von Materialien radikal erweiterten. Als Pionier der arte povera verwendete Kounellis „arme“ Materialien – Relikte und Fragmente der mediterranen Geschichte und des Alltagslebens – und stellte diese Objekte in oft verblüffende Gegenüberstellungen, um einen neuen poetischen Kontext zu schaffen. Mit seiner künstlerischen Praxis rief Kounellis eine Verkörperung des mythischen Dorfschmieds im 20. Jahrhundert hervor, indem er seine Rauminstallationen aus Holz, Kohle, Eisen und Feuer schmiedete.

Jannis Kounellis Editionen

Jannis Kounellis 1999 Senza Titolo

Senza Titolo

1999

Lithographie vom Stein auf Büttenpapier, 59,5 x 80,5 cm. Auflage 99, signiert und nummeriert.

In dieser Edition zieht Jannis Kounellis den Betrachter in ein visuelles Rätsel hinein: Köpfe, Gesichter oder ein chaotisches Steingefüge? Instinktiv neigt man den Kopf, als wolle man das Werk in eine aufrechte Position bringen. Diese Irritation der Wahrnehmung entspricht Kounellis’ künstlerischer Logik. Charakteristisch ist das tiefdunkle Schwarz, mit dynamischer Intensität aufgetragen, das über die Bildgrenzen hinaus in den Raum ausstrahlt. Die Malerei wird spürbar – fast physisch präsent. Kounellis, der die Auflösung tradierter Kunstkonventionen zelebrierte, sah in der Malerei einen Ausgangspunkt für die Erweiterung in den Raum. In Senza Titolo gelingt ihm dies mit minimalen Mitteln und maximaler Wirkung: Das Bild bleibt Malerei – und erscheint doch wie eine Skulptur. Die Grenzen zwischen den Gattungen lösen sich auf, und der Betrachter wird Teil des imaginativen Geschehens.

EUR 900

Jannis Kounellis 1998 Senza titolo (Trittico)

Senza titolo (Trittico)

1998

Aus: Sequences
Drei Lithographien, gedruckt von einem Stein auf Sicars Büttenpapier mit collagierter Zeitung, gefaltet und mit einem zweiten Stein überdruckt. Jede Grafik 50 x 40 cm (19¾ x 15¾ in), jeweils signiert und nummeriert. Edition limitiert auf 60 Exemplare.

Jannis Kounellis setzt in dieser Edition auf elementare, kulturell aufgeladene Materialien wie Eisen, Kohle und Feuer, die zentral für sein Œuvre sind. Die drei Blätter sind nahezu vollständig mit dichter Kohleschraffur geschwärzt, wodurch eine tiefgründige Materialität entsteht. Auf ihnen liegen gefaltete Tageszeitungen, die ebenfalls geschwärzt wurden – ein Akt der bewussten Auslöschung von Information, der zugleich eine neue, enigmatische Bildsprache erschafft. Durch die Überlagerung von medialem Trägermaterial und roher Materie thematisiert Kounellis die Spannung zwischen Geschriebenem und Ungesagtem, Dokumentation und Vergessen, Sichtbarkeit und Verbergung.

Set EUR 3.500

Jannis Kounellis 1998 Blu, verde, viola, giallo

Blu, verde, viola, giallo

1998

Lithographie, Fotolitho und Ölstift, auf Büttenpapier, 49,5 x 69,5 cm. Edition: 90 + XX, signiert und nummeriert.

Jannis Kounellis, dessen Werk oft von einer reduzierten, unfarbigen Materialästhetik geprägt ist, setzt in dieser Edition bewusst auf die expressive Kraft der Farbe. Mit den Worten Blau, Grün, Violett und Gelb verweist er auf die Tradition der Malerei und deren Farbklänge, die hier in ihrer reinen Präsenz gefeiert werden. Die bewusste Wahl dieser Farben und ihre Komposition lassen Assoziationen an die klassische Kunstgeschichte anklingen, während Kounellis zugleich die malerische Geste in einen neuen, konzeptuellen Kontext überführt.

EUR 1.800

Jannis Kounellis 1993 Untitled (Wall Work)

Untitled (Wall Work)

1993

Aus: Wall Works
Zwei I-Träger aus Stahl und zwei Paar Schuhe an einer Wand montiert. I-Träger 12 x 6 (5 x 2½ in) Querschnitt, Länge entsprechend der Wand. Limitiert auf 10 Installationen, mit signiertem und nummeriertem Zertifikat.

Diese Edition von Jannis Kounellis entstand im Rahmen des Gruppenprojekts Wall Works und ist fester Bestandteil der Sammlung der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Kounellis konzipierte die Arbeit so, dass zwei I-Träger aus Stahl zugeschnitten werden, sodass bei der Montage die äußersten Schuhe jeweils einen Abstand von 8 cm zu den Wandkanten haben, während die beiden inneren Schuhe ebenfalls 8 cm voneinander entfernt sind. Die Träger sind in einer Höhe von 160 cm (gemessen vom Boden bis zur Unterkante des Trägers) an der Wand zu befestigen. Die hintere Hälfte jedes Schuhs muss dabei hinter den Trägern verborgen bleiben.

EUR 25.000

Jannis Kounellis 1991 Untitled (Coffee)

Untitled (Coffee)

1991

Radierung, Blei, Kaffeebohnen, in verzinktem Eisenkasten, 65 x 45 x 7,5 cm (26 x 18 x 3 in). Edition: 25, signiert und nummeriert. 
 

Jannis Kounellis erweiterte in dieser Edition sein Repertoire elementarer Materialien um Blei und Kaffee – Stoffe mit starker kultureller und symbolischer Aufladung. Während Blei als schweres, formbares Metall mit Schutz, Transformation und alchemistischen Prozessen assoziiert wird, steht Kaffee für Sinnlichkeit, Vergänglichkeit und alltäglichen Konsum. Die Gegenüberstellung dieser kontrastreichen Materialien erzeugt ein spannungsgeladenes Feld, das fast wie eine experimentelle Versuchsanordnung anmutet. Durch diese präzise Inszenierung thematisiert Kounellis den Dialog zwischen Materialität, Geschichte und Wahrnehmung.

Nicht verfügbar
|
Jannis Kounellis 1990 Untitled (Smoke)

Untitled (Smoke)

1990

Radierung, Glasscheibe mit Russ, in verzinktem Eisenkasten, 60 x 45 x 7,5 cm (23½ x 18 x 3 in). Edition: 25, signiert und nummeriert.

In Jannis Kounellis’ Œuvre – und in dieser Edition – wird der Rauch als Spur des Feuers zum Sinnbild einer elementaren, ephemeren Geste. Kounellis’ Auseinandersetzung mit der mediterranen Kultur und ihren Mythen ruft eine Assoziation zu Prometheus hervor – dem Feuerbringer, der der Menschheit Wissen und Zivilisation schenkte. Die Flüchtigkeit des Rauchs verweist auf Vergänglichkeit, während seine Präsenz das Unsichtbare sichtbar macht und die Grenzen zwischen Materie und Immaterialität auslotet.

Jannis Kounellis 1987 Edizione Notturna

Edizione Notturna

1987

Aus: For Joseph Beuys
Auf Büttenpapier aufgezogene Zeitungsseite, mit einer Collage aus zwei Lichtdrucken/Siebdrucken, 76 x 57 cm. Edition: 90 + XXX, signiert und nummeriert, sowie 10 signierte, nicht nummerierte Artist's Proofs.

In Hommage an Joseph Beuys integrierte Jannis Kounellis für diese Edition eine seiner charakteristischen Schwarz-Weiß-Zeichnungen in die italienische Tageszeitung Corriere della Sera. Ein Teil dieser Zeitung wird somit zum Träger des Kunstwerks, während ein anderer Teil – in einer performativen Geste des Opfers – von Kounellis zerrissen wurde. Durch diese symbolische Handlung verweist der Künstler auf die transformative Kraft des Materials und die radikale Erneuerung der Kunst, wie sie auch Beuys’ Schaffen prägte.

EUR 1.200

Jannis Kounellis 1985 Untitled (Finestra)

Untitled (Finestra)

1985

Bemaltes Holz, Beschläge, fotobearbeitete Glasplatten, 181 x 64 cm (71 x 25 in). Edition: 21, signiert und nummeriert. 

Für diese Edition hat Jannis Kounellis die Transparenz des Fensters mit Rauchspuren überlagert, die als Spur des Feuers eine materielle Präsenz entfalten. Die Rußflecken transformieren die Glasfläche in eine opake Bildfläche, auf der sich zwei rätselhafte Kompositionen abzeichnen. In diesen Spuren verbirgt sich der Abdruck des Gesichts des Künstlers – ein vergängliches Selbstporträt, das sich zwischen Sichtbarkeit und Auflösung bewegt.

Jannis Kounellis 1982 Frammenti di Danza

Frammenti di Danza

1982

Portfolio mit 6 Fotogravuren und einer Kaltnadel auf Zerkall-Papier, 93 x 76 cm. Edition: 55, signiert und nummeriert von 75, der ursprünglich geplanten Auflagenhöhe. 

Für diese Edition nutzte Jannis Kounellis ein prozesshaftes Verfahren, das die Fragilität und Vergänglichkeit des Materials in den Mittelpunkt stellt. In der Druckwerkstatt bearbeitete er Glasscheiben mit offenen Flammen, wodurch deren Oberfläche eine rauchige Patina erhielt und teilweise in Bruchstücke zerfiel. Anschließend zeichnete er mit seinen Fingern direkt in die rußgeschwärzte Schicht und schuf so eine unmittelbare, fast gestische Spur seiner künstlerischen Handschrift. Schließlich wurden Metalldruckplatten mit einer lichtempfindlichen Beschichtung versehen, auf die das bearbeitete Glas oder florale Elemente gelegt und dem Licht ausgesetzt wurden – eine Technik, die Jannis Kounellis' charakteristisches Zusammenspiel von Materialität, Vergänglichkeit und bildlicher Immanenz auf eindrucksvolle Weise reflektiert.

Portfolio EUR 6.000

Jannis Kounellis 1979 Manifesto per un teatro utopistico

Manifesto per un teatro utopistico

1979

Aquatinta und Fotoradierung auf Büttenpapier, 90 x 65 cm (35½ x 25¾ in). Edition: 35, signiert und nummeriert.

Die Komposition dieser Edition von Jannis Kounellis entfaltet – im Einklang mit seinem Titel – eine assoziative Narration, die an eine Kulturgeschichte eines utopischen Theaters erinnert. Doch anstelle eines idealisierten Bühnenraums zeigt sich eine Abfolge von Bildern, die alltägliche Szenen menschlichen Lebens darstellen. Die Gegenüberstellung von realen Lebensmomenten und dem Konzept des Theaters eröffnet eine kritische Reflexion über die bürgerliche Hochkultur: Ist das Theater ein Ort der Inszenierung oder spiegelt es das echte Leben wider? In dieser dialektischen Spannung entfaltet sich die subversive Dimension des Werks.

Jannis Kounellis 1977 Untitled

Untitled

1977

Radierung von Ernesto Tatafiore auf Büttenpapier, mit einem von Kounellis hinzugefügten Kaffeefleck, 49,5 x 35 cm (19½ x 13¾ in). Edition: 20, von beiden Künstlern signiert, nummeriert.

Der italienische Künstler der Transavanguardia, Ernesto Tatafiore, widmet Jannis Kounellis ein Portrait in Form einer Radierung. Doch die klassische Würdigung erfährt eine subversive Brechung: Kounellis selbst hinterlässt einen Kaffeefleck auf dieser Edition – eine scheinbar beiläufige, doch bedeutungsgeladene Geste. Die Spur des Alltäglichen dringt in das Medium der Druckgrafik ein, wodurch das Werk eine performative Dimension erhält. Seine Co-Signatur mag als versöhnliche Aneignung, aber ebenso als ironischer Kommentar auf die Konstruktion künstlerischer Autorschaft gelesen werden.

Jannis Kounellis 1973 Untitled (Match)

Untitled (Match)

1973

Lithographie auf Büttenpapier, mit einem angezündetem Streichholz, 70 x 50 cm (27½ x 19¾ in). Edition: 90, signiert und nummeriert.

Diese Edition von Jannis Kounellis ist ein eindrucksvolles Beispiel seiner poetischen Materialsprache. In Kounellis’ Œuvre ist das Feuer ein wiederkehrendes Element – zugleich zerstörerisch und transformativ. Die abgebrannte Zündholzschachtel fungiert hier als Rückstand einer Handlung, als minimale, doch kraftvolle Spur von Energie, Geste und Vergänglichkeit. Sie verweist durch Abwesenheit auf Präsenz und wird zum Symbol für Erinnerung, Ritual und flüchtige Intensität – ganz im Einklang mit Kounellis’ übergeordnetem Interesse an elementaren Kräften und existenziellen Erzählungen.

Jannis Kounellis 1973 Untitled (Agamemnone)

Untitled (Agamemnone)

1973

Offsetlithografie und Prägung auf Büttenpapier, 70 x 50 cm (27½ x 19¾ in). Edition: 90, signiert und nummeriert.

Diese Offsetlithografie-Edition von Jannis Kounellis verwebt Bild, Text und Mythos zu einer vielschichtigen visuellen Erzählung. Der Titel verweist auf die antike Tragödie des Agamemnon, eine Figur der griechischen Mythologie, die mit Macht, Opfer und Schicksal assoziiert wird. Wie in vielen Arbeiten von Kounellis überschneiden sich historische Erinnerung und gegenwärtige Realität, wobei er mit minimalen, aber symbolisch aufgeladenen Elementen über Entwurzelung, kulturelles Erbe und die bleibende Relevanz des Mythos reflektiert.

Jannis Kounellis 1973 Untitled

Untitled

1973

Offsetlithografie auf Büttenpapier, mit aufgeklebter Fotografie, 70 x 50 cm. Edition: 90, signiert und nummeriert.

Jannis Kounellis 1972 Untitled (Elettra)

Untitled (Elettra)

1972

Offsetlithografie auf Büttenpapier, 50 x 35 cm (19¾ x 13¾ in), signiert „p.a.“zusätzlich zur regulären Edition von 90.