Joseph Beuys
Joseph Beuys (1921-1986), geboren in Krefeld, Deutschland, lebte und arbeitete in Düsseldorf. Joseph Beuys, der als Bildhauer, Maler, Performancekünstler, Kunsttheoretiker und Lehrer tätig war, gilt bis heute als einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Er wird mit Fluxus, Konzeptkunst und Neo-Dada in Verbindung gebracht und ist für die Verwendung unorthodoxer Materialien wie Fett, Kupfer, Filz und Honig bekannt. Sein komplexes Oeuvre umfasst eine Vielzahl von Multiples und anderen Editionen. Edition Schellmann / Schellmann Art arbeitete von 1970 bis zu seinem Tod 1986 eng mit Joseph Beuys zusammen, veröffentlichte mehrere Editionen des Künstlers und gab sein Werkverzeichnis The Multiples heraus.
Joseph Beuys Editionen
Table I Monk
1953/2008
Table II Tête
1953-1954/2008
Table III Chest
1953/2008
Royal Pitch Pine
1953/2008
Lamp
1960/2008
Tram Stop 1976
2007
4 books from Projekt Westmensch, 1958
1992
Cuprum 0,3% unguentum metallicum
1978-1986
Filzkeil (Felt Wegde)
1984-1986
Iphigenie/Titus Andronicus
1985
Minneapolis Fragments
1977-1985
Brustwarze (Nipple)
1984
Triptychon
1981
Transsibirische Bahn (Transsiberian Rail)
1980
Hasenblut (Hare's Blood)
1971/1979
Zeige deine Wunde (Show Your Wound)
1977
Initiation Gauloise (Gallic Initiation)
1976
Painting Version 1-90
1976
Zeichnungen zu Codices Madrid von Leonardo da Vinci II (Drawings for Codices Madrid by Leonardo da Vinci II)
1975
from: Drawings for Codices Madrid by Leonardo da Vinci
1975
Telephon S––––Ǝ (Telephone T––––Я)
1974
Grüne Geige (Green Violin)
1974
Sonnenscheibe (Sun Disc)
1973
Enterprise 18.11.72, 18:05:16 Uhr
1973
Schiefertafel (Blackboard)
1972
Celtic + ~~~~~
1971
Fingernagelabdruck aus gehärteter Butter (Fingernail Impression in Hardened Butter)
1971
aus Künstlerpost (from Artist's Mail)
1969
Ja Ja Ja Ja Ja, Nee Nee Nee Nee Nee
1969
Originale
Table I Monk
1953/2008
Birnbaumholz und Ebenholz, mit Schublade, 75 x 83,5 x 64,5 cm. Auflage limitiert auf 9 Exemplare.
1953 entwarf Joseph Beuys für eine Düsseldorfer Sammlerin drei verschiedene Tische und ein Bücherregal. Den ersten Tisch Monk erweiterte Beuys zu einem Kunstwerk und integrierte ihn später in die legendäre Sammlung Block Beuys im Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Die drei Tische und das Regal wurden 2008 zum ersten Mal in einer Edition von 9 Exemplaren aufgelegt.
Royal Pitch Pine
1953/2008
Kiefernholz-Regal. 266 x 220 x 34 cm. Auflage limitiert auf 9 Exemplare.
1953 entwarf Joseph Beuys dieses Regal (sowie drei verschiedene Schreibtische) für eine Düsseldorfer Sammlerin. Schellmann Art gab die vier Stücke dann 2008 zum ersten Mal als Edition heraus, limitiert auf jeweils 9 Exemplare.

Tram Stop 1976
2007
Aus: Re-Object/Mythos (nur als Teil des gesamten Portfolios erhältlich)
Drei Fotografien von Karlheinz Nowald, digital gedruckt im Jahr 2007 von den Originalnegativen, montiert auf Karton, 61 x 81 cm. Edition limitiert auf 45 Exemplare, gestempelt.
4 books from Projekt Westmensch, 1958
1992
Faksimile-Edition von Joseph Beuys’ Skizzenbüchern. Granolithografien in 4-12 Farben auf Schreibpapier von Scholars, mit 454 von insgesamt 1.168 Seiten, die Bildmotive und Notationen von Beuys enthalten. Jedes Buch: 30 × 22 × 1,8 cm (12 × 8½ × ¾ in). Auflage von 365 Exemplaren, mit Stempelnummerierung auf einer der letzten Seiten.
Von 1958 bis etwa 1965 arbeitete Joseph Beuys an vier Skizzenbüchern, die er unter dem Titel Projekt Westmensch zusammenfasste. Die Seiten dieser Bücher, die wirklich die ganze Bandbreite seines künstlerischen Schaffens zeigen, sind gefüllt mit Zeichnungen, Texten, Aquarellen, Wort- und Begriffslisten, Konzepten und Themen mit zahlreichen Notizen für zukünftige Projekte. Während viele der Seiten in direktem Zusammenhang mit seinen anderen Arbeiten stehen, gibt es einige ganz rätselhafte Formen, konzeptionelle Verweise und Codes, die sowohl für den Betrachter als auch für professionelle Kunsthistoriker eine faszinierende Herausforderung darstellen. Der Rhythmus der Einträge, die oft durch lange Serien von leeren Seiten getrennt sind, gibt einen sehr intimen Einblick in die Bildsprache von Joseph Beuys und sein universelles Denken.
EUR 2.500
Cuprum 0,3% unguentum metallicum
1978-1986
Gegossenes Bienenwachs mit fein verteiltem Kupfer, 19,5 x 10,5 x 10,5 cm. Geprägt „JOSEPH BEUYS“, mit Zertifikat des Nachlasses. Edition: 18 + 5 A.P.
Schellmann 556
Diese Edition von Joseph Beuys besteht aus einem Wachsblock, der im Negativrelief die kristalline Form einer Grubenlampe abbildet. Dieses „Bild“ stellt eine Kombination aus archaischen Zeichen und natürlich vorkommenden Formen dar. Schale, Flamme, Federtagram, Sonnenscheibe und Kristall verschmelzen zu einer einzigen Form und evozieren eine Vielzahl sich durchdringender Bedeutungsebenen und möglicher Assoziationen. Der Titel des Werkes ist der Name einer homöopathischen Salbe, die Joseph Beuys selbst oft verwendete.
Die Arbeit ist Teil der Sammlungen des The Broad in Los Angeles, Walker Art Center in Minneapolis, und der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

Filzkeil (Felt Wegde)
1984-1986
Aus der Box In Memoriam George Maciunas von Joseph Beuys und Nam June Paik
Filzkeil 5,5 x 8,5 x 25 cm. Edition: 47, signiert und nummeriert auf dem Zertifikat des Beuys-Nachlasses.
Schellmann 555
Diese Edition destilliert Joseph Beuys’ Materialvokabular in eine einzige, aufgeladene Form. Der Keil aus Industriefilz – ein Stoff, den Beuys in seinem gesamten Werk aufgrund seiner isolierenden, schützenden und symbolischen Eigenschaften einsetzte – verkörpert den Glauben des Künstlers an das transformative Potenzial von Materialien. Zugleich skulpturales Objekt und konzeptueller Gedanke verweist die Arbeit auf Beuys’ umfassendere Auseinandersetzung mit Energie, Wärme und sozialer „Aktivierung“ – zentrale Ideen in seiner erweiterten Definition von Kunst. Filzkeil steht exemplarisch für die stille Intensität und radikale Einfachheit, die viele seiner Multiples kennzeichnen.
Die Arbeit ist Teil der Sammlungen des The Broad in Los Angeles, Walker Art Center in Minneapolis, und Harvard Art Museums.

Iphigenie/Titus Andronicus
1985
Fotopositiv und -negativ auf Film, gestempelt mit brauner Farbe, zwischen Glasplatten, in Eisenrahmen, 71 x 55 x 4,5 cm. Auflage: 45 + IX + 5 A.P., signiert und nummeriert auf kleinem Label. (Fotos: Ute Klophaus).
Schellmann 523
Für diese Edition wählte Joseph Beuys Fotografien aus, die Ute Klophaus am 29. Mai 1969 während seiner Aufführung von Iphigenia/Titus Andronicus bei der experimenta 3 im Theater am Turm in Frankfurt am Main aufgenommen hatte. Die Performance basierte ursprünglich auf Claus Peymanns und Wolfgang Wiens' Textmontage von Shakespeares Titus Andronicus und Goethes Iphigenie auf Tauris.
Die Arbeit ist Teil der Sammlung des Museum of Modern Art, New York.

Minneapolis Fragments
1977-1985
Sechs Lithographien in Schwarz auf Rives White nach handgezeichneten Metallplatten, mit Bleistiftlinien und handschriftlichen Ergänzungen. 64,5 x 90 cm. Edition: 18 + VI, gestempelt Hauptstrom, signiert und nummeriert; plus einige signierte Probedrucke, einige mit A.P. bezeichnet, die meisten ohne handschriftliche Ergänzungen.
Schellmann 233-238
Die Lithographien der Edition Minneapolis-Fragmente wurden von Metallplatten gedruckt, die Joseph Beuys 1974 während einer Vorlesung an der University of Minnesota in Minneapolis zeichnete. Sie wurden gemeinsam auf einer Platte angeordnet und darauf so gezeichnet, als ob sie ein einziges, über sechs Druckplatten verteiltes Bild abbilden würden. Für die Edition entschied Joseph Beuys, die Drucke als ungeordnete „Fragmente“ aufzuhängen.
Diese Arbeit ist unter anderem in den Sammlungen des The Broad in Los Angeles und des Stedelijk Museum Amsterdam vertreten.

Brustwarze (Nipple)
1984
Bronze, 2,5 x 2,8 cm, Messingdraht. Edition: 25, mit Zertifikat, vom Nachlass signiert und nummeriert.
Schellmann 554
Mit dieser Edition überführt Joseph Beuys eine intime, körperliche Form in den Bereich des Multiples und verbindet dabei Humor, Direktheit und skulpturale Prägnanz. Der in Bronze gegossene kleine Vorsprung verweist auf das fortwährende Interesse des Künstlers an Körperlichkeit, Energie und der symbolischen Aufladung einfacher Formen. Wie in vielen seiner Editionen wird ein unscheinbares, alltägliches Motiv zu einem Ort der Reflexion über Verletzlichkeit, menschliche Präsenz und die transformative Kraft des Materials. Entstanden 1984, zeigt die Arbeit exemplarisch, wie Beuys selbst reduzierten Formen konzeptuelle Tiefe verleihen konnte.
Diese Arbeit ist Teil der Sammlungen des Walker Art Center, Minneapolis, und Harvard Art Museums.
Triptychon
1981
Set mit 3 Lithografien, jede Grafik 76 x 56 cm (30 x 22 in). Edition: 90, jeweils signiert und nummeriert.
a Geschnatter unterhalb der Hütte, b Sternbild des Bären, c Junger Elch über dem Haus des alten Müllers
Schellmann 373-375
Mit dieser Edition erweitert Joseph Beuys seine Auseinandersetzung mit Bild, Material und symbolischer Struktur zu einer dreiteiligen Komposition. Das Triptychon – historisch mit Andachtsbildern verbunden – wird durch das konzeptuelle Vokabular von Beuys neu interpretiert und lädt eher zur Reflexion als zur Verehrung ein. Durch die Gegenüberstellung zurückhaltender Formen und aufgeladener Materialien ruft die Arbeit Themen auf, die zentral für sein Schaffen sind: Transformation, Energie und die Durchlässigkeit zwischen physischer und geistiger Sphäre. Entstanden 1981, zeigt Triptychon exemplarisch die Fähigkeit von Beuys, mit minimalen visuellen Mitteln eine komplexe philosophische Resonanz zu erzeugen.
Diese Arbeit ist Teil der Sammlungen des The Broad, Los Angeles, und der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.
Transsibirische Bahn (Transsiberian Rail)
1980
Transsibirische Bahn Film (16 mm, schwarz-weiß, Ton, 22 Min.), in Metalldose mit Eisenbahnetiketten, 3 cm x 37 cm Ø. Auflage: 45 (+ 8 A.P.), signiert und stempel-nummeriert auf Label.
Schellmann 325
Diese Film-Edition dokumentiert eine gleichnamige Performance von Joseph Beuys in Humlebaek/Kopenhagen aus den Jahren 1961/70, gefilmt von Ole John.
Die Arbeit befindet sich in den Sammlungen des The Broad, Los Angeles, und der Harvard Art Museums.

Hasenblut (Hare's Blood)
1971/1979
Plastiktüte mit Hasenblut, montiert auf weißem Karton mit Klebepflaster. Grafik 62 x 45 cm (24 x 17 in). Edition: 45, signiert und nummeriert.
Schellmann 294
Diese Edition erinnert an Joseph Beuys‘ Aktion Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt von 1965, die als Schlüsselwerk seines Œuvres gilt und 2005 sogar von Marina Abramović im Guggenheim Museum in New York nachgestellt wurde.
Zu Beginn seiner Aktion in der Galerie Schmela in Düsseldorf versperrte Beuys die Tür von innen und ließ die Besucher draußen, so dass diese den Vorgang nur durch Fenster beobachten konnten. Seinen Kopf vollständig mit Blattgold, Goldstaub und Honig bedeckt, begann er, dem toten Hasen die Bilder zu erklären: Mit dem Tier auf dem Arm, und offenbar im Zwiegespräch mit ihm, ging er durch die Ausstellung von Objekt zu Objekt. Erst nach drei Stunden wurde das Publikum in die Räume gelassen. Beuys saß dabei, den Hasen auf dem Arm, mit dem Rücken zum Publikum auf einem Hocker im Eingangsbereich.
Diese Arbeit ist Teil der Sammlungen des The Broad, Los Angeles; Walker Art Center, Minneapolis; Harvard Art Museums; und der schottischen Nationalgalerien.
Zeige deine Wunde (Show Your Wound)
1977
Foto-Negative, eins mit zwei Löchern und mit Kreuzen in brauner Farbe, zwischen einer transparenten und einer opaken Glasplatte in Eisenrahmen, 107 x 79 x 5 cm. Fotografien von Ute Klophaus. Edition: 28 + VI, signiert und nummeriert auf dem rückseitig am Werk angebrachten Papierlabel. Einige A.P., signiert; + 5 H.C., signiert und stempelnummeriert auf Papierlabel mit Hauptstrom-Stempel, zwischen Glasplatten eingelegt.
Schellmann 218
1976 schuf Joseph Beuys die Installation Zeige deine Wunde für die Galerie Schellmann und Klüser in München. Das Werk bestand aus mehreren paarweise angeordneten Objekten, die sich um das zentrale Element – ein Paar Leichentische – gruppierten. Später, beim Betrachten der Ausstellungsfotografien, kam Beuys auf die Idee, für eine Edition die Negative wie „Röntgenbilder“ auf eine opalisierende Glasscheibe zu montieren. Ein Film blieb schwarz und war mit zwei Löchern versehen, die an eine Kamera Obscura erinnerten – ein Verweis auf Trauma, Diagnose und das Medium der Fotografie selbst.
Initiation Gauloise (Gallic Initiation)
1976
Lithografie, 65 x 85 cm (25½ x 33½ in). Edition: 185, signiert und nummeriert.
Schellmann 190
Für diese Edition überlagert Joseph Beuys einen Plan der Pariser Métro mit Symbolen, die auf antike gallische Initiationsrituale verweisen, und verbindet so die zeitgenössische urbane Struktur mit archaischen Formen von Wissen und Transformation. Indem er diese Zeichen in ein Orientierungssystem einschreibt, verknüpft Beuys die alltägliche Bewegung durch die Stadt mit tieferen mythologischen und spirituellen Übergängen. Wie bei vielen seiner Multiples tragen die reduzierten visuellen Gesten eine starke konzeptuelle Bedeutung und verweisen auf zentrale Themen seines Werks: Ritual, Aktivierung und der Übergang von einem Bewusstseinszustand in einen anderen.
Diese Arbeit befindet sich in den Sammlungen des Museum of Modern Art, New York; des The Broad, Los Angeles; der National Galleries of Scotland; und der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.
Painting Version 1-90
1976
Ölfarbe und Butter auf Büttenpapier, eingerissenes Loch, 76 x 56 cm (30 x 22 in). Edition: 90 Unikate, signiert und nummeriert.
Schellmann 186
Diese Edition umfasst 90 von Joseph Beuys handbemalte Arbeiten, die sich jeweils subtil in der Struktur der gemalten Formen und in der Gestalt der Schafsköpfe unterscheiden. Die Serie exemplifiziert Beuys’ Interesse an Wiederholung mit Variation – eine Edition, die durch die Individualität des künstlerischen Duktus der Gleichförmigkeit entgegenwirkt. Das Motiv des Schafskopfs, das in Beuys’ Werk immer wieder erscheint, ruft Themen wie Führung, Verletzlichkeit und kollektive Bewegung auf. Durch die Verbindung serieller Produktion mit individuell bemalten Elementen vereinen die Arbeiten die konzeptuelle Logik des Multiples mit der Unmittelbarkeit von Zeichnung und Geste. Entstanden 1976, verdeutlicht die Edition Beuys’ fortwährende Auseinandersetzung mit Transformation, Symbolik und dem Ausdruckspotenzial einfacher, direkter Markierungen.
Diese Arbeit befindet sich in den Sammlungen des Museum of Modern Art, New York; des The Broad, Los Angeles; des Walker Art Center, Minneapolis; der National Galleries of Scotland; und der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.
Zeichnungen zu Codices Madrid von Leonardo da Vinci II (Drawings for Codices Madrid by Leonardo da Vinci II)
1975
Zeichnungen zu: Leonardo da Vincis Codices Madrid
Buch mit 81 eingebundenen und 1 lose eingelegter Grano-Lithografie, gefaltet; Grafik 23 x 32 cm (9 x 12½ in). Grafik ist signiert und nummeriert, 9 verschiedene Bilder. Auflage von jeweils 100.
Schellmann 177-185
Diese Edition in Form eines Lithografiebuchs versammelt Joseph Beuys’ Reaktion auf die zwei wiederentdeckten Codices Madrid von Leonardo da Vinci, die 1974 als Faksimile erschienen. In 81 Lithografien nach seinen Bleistiftzeichnungen tritt Beuys in einen Dialog mit Leonardos Notizbüchern und betont zugleich die Unterschiede. Seine fein gearbeiteten Landschaften, Körperformen und gelegentlich maschinenähnlichen Motive verfolgen energetische Bewegungen statt präziser Beschreibungen und spiegeln damit einen intuitiven, symbolischen Ansatz im Gegensatz zu Leonardos analytischer Methode. Der unkonventionelle Einband aus bedruckter Pappe – angelehnt an ein amerikanisches Schulheft – unterstreicht die Absicht, das Werk als zugängliches Multiple und nicht als privates Skizzenbuch zu verbreiten.
Die Arbeit befindet sich in den Sammlungen des The Broad, Los Angeles; der Harvard Art Museums; der National Galleries of Scotland; und der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.
Telephon S––––Ǝ (Telephone T––––Я)
1974
Teil von Zwei Fluxus Objekte (zusammen mit Grüne Geige)
Zwei Blechdosen, eine mit Symbolen in brauner Farbe (Braunkreuz), 180 cm Schnur, Papieretikett. 204 x 10 x 10 cm. Edition: 24 + VI (6 mit braun bemaltem Symbol auch auf der zweiten Dose), alle signiert und nummeriert auf dem Papieretikett. 5 A.P., signiert, nicht nummeriert.
Schellmann 136
Joseph Beuys erläuterte diese Edition 1970 gegenüber Jörg Schellmann und Bernd Klüser:
„Mit den zwei Blechdosen habe ich die kindlichste Form der Kommunikation genommen – einfach zwei Dosen – und sie mit einem positiven und einem negativen Pol markiert. Diese Zeichen bedeuten, dass die Kommunikation in einem universellen Zusammenhang gesehen werden muss. Die Form der Dosen kann auseinandergezogen werden; allein dadurch entsteht die Bedeutung. Die Dosen können das nicht von selbst, sie verweisen lediglich auf einen ganz grundlegenden Vorgang: den Begriff von Sender und Empfänger … das heißt zwei Stationen, seien es einzelne Personen oder Gruppen, die miteinander verbunden sind. Ein Stück Schnur, das die beiden verbindet, ein positiver und ein negativer Pol – und die beiden können miteinander kommunizieren. Das stellt keine Aussage darüber dar, was eine zeitgenössische Informationstheorie sein könnte. Blechdosen können das nicht leisten, aber sie können es andeuten, Ideen auslösen, wenn ein intuitiver Mensch ihnen begegnet.“
Der Titel S – Ǝ steht für Sender – Empfänger und verdichtet das Werk auf seine zentrale Aussage: Kommunikation als dynamischer, wechselseitiger Prozess.
Die Arbeit ist in den Sammlungen verschiedener großer Museen vertreten, darunter das MoMA, New York; The Broad, Los Angeles; die National Galleries of Scotland; sowie die Bayerische Staatsgemäldesammlungen.
Grüne Geige (Green Violin)
1974
Teil von Zwei Fluxus Objekte (zusammen mit Telephon S––––Ǝ)
Grün bemalte Geige, 21 x 60 x 9 cm. Auflage: 24, gestempelt „Fluxus Zone West“, unsigniert, nicht nummeriert; einige Geigen wurden von Joseph Beuys signiert.
Schellmann 135
Die Edition Grüne Geige ist ein Aktions-Objekt, das auf der Geige basiert, die der Fluxus-Komponist Henning Christiansen während der Performance …Or should we change it spielte, inszeniert von Joseph Beuys und Christiansen im Städtischen Museum Mönchengladbach am 27. März 1969. Viele von Beuys’ frühen Aktionen nahmen die Form konzertartiger Ereignisse an und spiegeln seine enge Verbindung mit Fluxus in den 1960er-Jahren wider – einer internationalen Bewegung, die in experimentellen Klangpraktiken wurzelt und maßgeblich von Figuren wie John Cage beeinflusst wurde.
Klang und Stille bilden wiederkehrende Motive im Œuvre von Beuys. Grüne Geige verkörpert diese anhaltende Auseinandersetzung und hält nicht nur einen Moment der Fluxus-Zusammenarbeit fest, sondern auch den Glauben des Künstlers an die Performance als Katalysator für soziale und imaginative Transformation.
Das Werk befindet sich unter anderem in den Sammlungen des MoMA, New York; des Walker Art Center, Minneapolis; der Harvard Art Museums; des The Broad, Los Angeles; sowie der National Galleries of Scotland.
Sonnenscheibe (Sun Disc)
1973
Schallplatten-Masterform (Kupfer, vernickelt auf der eingravierten Seite) mit Loch in der Mitte und zwei Stücken Filz, jeweils mit brauner Farbe gestempelt, in schwarzer Kartonbox mit Label, 38 x 38 x 4 cm (15 x 15 x 1½ in). Edition limitiert auf 77 (+ VII + 3 H.C.), signiert und nummeriert auf dem Label der Box.
Schellmann 85
In seiner Edition Sonnenscheibe verdichtet Joseph Beuys eines seiner zentralen Metaphern – die Sonne als Quelle von Energie, Wärme und Erneuerung – zu einer reduzierten, symbolischen Form. Die kreisrunde Scheibe, geprägt von Beuys’ charakteristischem Materialeinsatz und seiner formalen Reduktion, spiegelt seinen Glauben an die transformative Kraft elementarer Kräfte wider.
Beuys verband die Sonne in seinem Werk immer wieder mit kreativem und spirituellem Potenzial und knüpfte diese natürliche Energie an seinen erweiterten Begriff der sozialen Plastik, in dem Kunst zum Katalysator für individuelle und kollektive Veränderung wird. Sonnenscheibe greift dieses Denken auf: ein Objekt, das schlicht erscheint, aber die Energie von Beuys’ umfassender philosophischer Praxis trägt.
Sonnenscheibe befindet sich unter anderem in den Sammlungen von The Broad, Los Angeles; dem Walker Art Center, Minneapolis; den Harvard Art Museums sowie den National Galleries of Scotland.
Enterprise 18.11.72, 18:05:16 Uhr
1973
Zinkbox mit Fotografie, Kamera und Filz. 41 x 30,5 x 15,5 cm. Edition: 24 + V, signiert und nummeriert.
Schellmann 72
Das Foto, das Beuys für diese Edition verwendete, stammt von Michael Ruetz und zeigt die Familie Beuys beim Ansehen der Science-Fiction-Fernsehserie Raumschiff Enterprise zeigt. Damals wohnten sie am Drakeplatz 4 in Düsseldorf, wo Wohnung und Atelier als gemeinsamer Arbeits- und Lebensraum fungierten. In Anlehnung an seine Aktion Filz-TV, bei der er einen Fernsehbildschirm mit Filz verdeckte, bedeckte Beuys das Objektiv der im Deckel der Zinkbox eingelassenen Kamera mit einer Filzscheibe. Mit dieser Geste antwortet er auf den „mechanischen“ Blick der Kamera, indem er ihren Blick nach außen durch die isolierenden Eigenschaften des Filzes in einen Blick nach innen verwandelt. Im Inneren des Zinkkastens sind in der von Beuys häufig angewandten Doppelstrategie paralleler Prozesse zwei Objekte montiert, die sich beide mit dem Akt des Sehens auseinandersetzen: das Fernsehen selbst, die von der Kamera und dem Auge des Fotografen eingefangene Familie, die ihrerseits einen in der Zukunft spielenden Film betrachtet, und eine handliche Kastenkamera, deren Funktion durch das Abdecken ihres Objektivs verändert wird, wodurch sich ihre Rolle von der Aufnahme eines Bildes zur Befragung der Natur des Sehens selbst verlagert.
Schiefertafel (Blackboard)
1972
Schultafel, beidseitig im Siebdruck bedruckt, gestempelt „Hauptstrom“. 17 x 25 x 0,3 cm. Edition: 200, Unterschrift eingraviert auf der linierten Seite der Tafel, unnummeriert.
Schellmann 52
In Schiefertafel verwandelt Joseph Beuys eine einfache Schiefertafel in ein Werk, das Zeichnung, Notation und konzeptuelles Denken miteinander verbindet. Beidseitig im Siebdruck bedruckt, erinnert diese Edition an Beuys’ langjährige Verwendung von Schiefertafeln in seinen Aktionen und Vorträgen, wo sie nicht nur als Schreibflächen dienten, sondern als Werkzeuge dynamischer Kommunikation – als Diagramme von Ideen und Beziehungen in Echtzeit.
Schiefertafeln spielten eine zentrale Rolle in Beuys’ Praxis insgesamt. Sie tauchten in Performances und öffentlichen Vorträgen der 1960er- und 1970er-Jahre immer wieder auf, wo Zeichnung zu einer Form aktiven, teilnehmenden Austauschs wurde – statt zu einer statischen Darstellung.
Schiefertafel (1972) befindet sich unter anderem in den Sammlungen von The Broad, Los Angeles; dem Walker Art Center, Minneapolis; den National Galleries of Scotland; den Harvard Art Museums; sowie weiteren Institutionen.
Celtic + ~~~~~
1971
Leinenschachtel mit einem a Super 8 Film, s/w, 25 mit Tonspur b 10 Fotografien s/w 50 x 40 cm c Flasche mit Gelatine, versiegelt mit Bienenwachs 16,5 x 8,5 cm Ø (6½ x 3¼ in Dia.). Schachtel: Mit brauner Farbe gestempelt, 41 x 52,5 x 10 cm. (Die Auflage wurde zunächst in einer Pappschachtel geliefert; nur der letzte Teil der Auflage erschien in einer Leinenschachtel, wie hier gezeigt, aber viele der früheren Pappschachteln wurden später gegen die Leinenschachtel ausgetauscht). Auflage: 100, signiert und nummeriert auf Etikett im Karton.
Schellmann 37
Mit dieser Edition dokumentiert Joseph Beuys seine Performance Celtic + ~~~~~, aufgeführt am 5. April 1971 in einem Zivilschutzbunker in Basel. Das Werk umfasst fotografisches und textliches Material der Aktion sowie ein kleines Fläschchen, das ursprünglich mit der Gelatine gefüllt war, die Beuys während der Performance verwendete – ein organisches Material, das im Laufe der Zeit verflüssigt ist.
Wie viele von Beuys’ frühen Performance-Arbeiten verband Celtic + ~~~~~ elementare Substanzen, symbolische Gesten und ritualisierte Bewegungen. Die Präsenz der Gelatine, die sich noch Jahrzehnte nach dem Ereignis weiter verändert, unterstreicht Beuys’ Interesse an Transformation, Prozess und dem fortdauernden Leben von Materialien über den Moment der Performance hinaus.
Celtic + ~~~~~ befindet sich unter anderem in den Sammlungen des MoMA, New York; der National Gallery of Art, Washington; The Broad, Los Angeles; der Harvard Art Museums sowie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.
Fingernagelabdruck aus gehärteter Butter (Fingernail Impression in Hardened Butter)
1971
Fingernagelabdruck aus gehärteter Butter in einer Plastikdose, montiert auf perforiertem Graukarton, 24 x 21 x 1,5 cm (9½ x 8¼ x ½ in). Edition: 150, signiert und nummeriert auf dem Karton.
Schellmann 35
In dieser Edition verwandelt Joseph Beuys ein schlichtes häusliches Material in ein Werk, das die Bereiche Skulptur, Körperspur und konzeptuelle Geste miteinander verbindet. Ein verhärteter Abdruck, den ein Fingernagel in einem Block aus Butterwachs hinterlassen hat, wird in einer Kunststoffbox auf grauer Pappe präsentiert und hält eine zarte, aber direkte Spur menschlicher Berührung fest.
Indem das Werk den Rückstand einer körperlichen Handlung – und nicht eine bewusst geformte Form – in den Vordergrund stellt, spiegelt es Beuys’ Interesse an Prozess, Abdruck und dem fortlaufenden Dialog zwischen Material und Bedeutung wider. Butter – ein organisches Material voller Assoziationen zu Nahrung, Leben und Transformation – wird zu einem Ort subtilen, stillen Ausdrucks, der mit Beuys’ umfassender Praxis korrespondiert.
Diese Arbeit wurde als Sonderedition des ersten Werkverzeichnisses Joseph Beuys – Multiples + Prints veröffentlicht.
aus Künstlerpost (from Artist's Mail)
1969
Plastikumschlag mit Margarine und weißer Schokolade; Umschlag mit Braunkreuz-Stempel. 32 x 23 x 1 cm. Edition limitiert auf 100, unsigniert, vom Künstler nummeriert.
Schellmann 15
In aus Künstlerpost verwandelt Joseph Beuys die Idee postalischer Korrespondenz in eine spielerische, zugleich konzeptuell aufgeladene Geste. Indem er „Künstlerpost“ aus alltäglichen, verderblichen Materialien versendet, durchbricht er konventionelle Kommunikationsformen und lenkt die Aufmerksamkeit auf die symbolischen und sinnlichen Qualitäten der Stoffe selbst. Das Werk spiegelt Beuys’ umfassendes Interesse an Transformation, Energie und dem poetischen Potenzial des Alltäglichen wider – ein Ansatz, der viele seiner frühen Multiples und aktionsbezogenen Objekte prägte.
Diese Edition befindet sich unter anderem in den Sammlungen von The Broad, Los Angeles; den National Galleries of Scotland; und dem Walker Art Center, Minneapolis.
Ja Ja Ja Ja Ja, Nee Nee Nee Nee Nee
1969
Filz, Tonbandaufnahme. 15 x 25 x 25 cm. Edition: 100, mit 32 Min. Tonbandaufnahme. Mit Faksimile-Unterschrift und blindgeprägter Nummerierung auf der Spule; nummeriert.
Schellmann 14 (Edition A)
Diese Edition von Joseph Beuys ist eine Klanginstallation bestehend aus einem Stapel von 20 Filzplatten, in dem ein Tonband eingebettet ist. Die Aufnahme dokumentiert eine Fluxus-Performance aus dem Jahr 1968, bei der Beuys gemeinsam mit Henning Christiansen und Johannes Stüttgen fast eine Stunde lang rhythmisch die Worte „Ja“ und „Nein“ wiederholte. Die monotone, mantraartige Rezitation erzeugt eine hypnotische Wirkung, die den Zuhörer aus dem gewohnten Gedankenstrom herauslöst. Die Filzplatten verstärken diesen meditativen Effekt, indem sie durch ihre isolierende und ruhige Präsenz eine Atmosphäre der Entrücktheit schaffen.
Badewanne für eine Heldin (Bathtub for a Heroine)
1984
Zwei Bronzeobjekte (Ofen und Badewanne), Tauchsieder mit Blei. Badewanne: 32 × 14 × 10 cm; Ofen: 31 × 7 × 7,5 cm. Signiert in brauner Ölfarbe „Braunkreuz“ (auf der Unterseite des Ofens).
Der Ofen wurde 1950 konzipiert, die Badewanne 1961; ausgeführt wurden beide Arbeiten 1984. Joseph Beuys fertigte sieben Abgüsse dieses Werkes an (sechs ausschließlich für Schellmann und Klüser und einen als Künstlerexemplar).























